Bewussterer Medienkonsum und steigende Bedeutung von Medienkompetenz
Dabei gehen die befragten Fachleute grundsätzlich davon aus, dass Journalismus zwar auch in Zukunft nachgefragt sein wird, die Hälfte erwartet jedoch einen Nachfragerückgang sowie ein Auseinanderdriften zwischen gut informierten Nutzerinnen und Nutzern, die zum Teil Nachrichten bewusster und markenorientierter konsumieren, auf der einen und einer breiten Masse, die nur gelegentlich Medien konsumiert, auf der anderen Seite. Vor diesem Hintergrund sind auch die unterschiedlichen Einschätzungen zur Zahlungsbereitschaft für Onlineinhalte zu verstehen: Für die Schweiz gilt, dass diese nach empirischen Daten im Onlinebereich tief und preissensibel bleiben wird. Unterstützend wirken hier insbesondere ein klar kommunizierter Nutzwert und unterschiedliche Angebote wie selektive Abos einzelner Inhalte über die Kombination von Nachrichten mit Alltagsangeboten bis hin zu plattformübergreifenden Abos. Die Studie unterstreicht hier auch die Bedeutung von Medienkompetenz: In der Schweiz führt die Teilnahme an Medienkompetenz-Programmen etwa in der Schule empirisch zu mehr Zahlungsbereitschaft.
Vertrauen in professionellen Journalismus bleibt erhalten
Deutlich zeigt die Studie zudem, dass Online-Angebote, audiovisuelle Inhalte sowie Social-Media- und Video-Plattformen weiter an Bedeutung gewinnen werden, während die gedruckten Ausgaben sich zu einem seltener genutzten „Luxusgut“ entwickeln werden. Die zunehmende Dominanz von Tech-Plattformen zeigt sich auch auf dem Werbemarkt, wenngleich professionellem Journalismus auch im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz weiterhin deutlich mehr Vertrauen entgegengebracht wird als Plattformen oder KI-generierten Inhalten. In diesem Zusammenhang plädieren die befragten Expertinnen und Experten auch dafür, dass die Medienhäuser ihre eigenen Kanäle gezielt ausbauen, um einerseits die direkte Kommunikation mit ihren Abonnentinnen und Abonnenten zu stärken und andererseits die Abhängigkeit von anderen Plattformen zu reduzieren.
Das Potenzial von KI
Zwiespältig fällt der Befund in Sachen KI aus: Zwar besteht seitens der Nutzerinnen und Nutzer eine gewisse Akzeptanz für einen unterstützenden Einsatz von KI im Journalismus – insbesondere in der Entwicklung neuer Formate und der Etablierung effizienterer Prozesse im Redaktionsalltag stecken Potenziale. Allerdings zeichnet sich auch eine rasch wachsende Nutzung von KI-Tools als Nachrichtenquelle ab, die genutzt werden, ohne direkt auf Angebote von Medienmarken zuzugreifen. Umso wichtiger werden klare redaktionelle Qualitätsstandards im Umgang mit KI und Fragen der Vergütung journalistischer Inhalte. Zudem plädieren die befragten Fachleute weiterhin für eine stärkere Regulierung von Plattformen und KI-Anbietern.